Ständig sprechen wir über das Patriachat in der Gesellschaft. Aber kennst du auch das Matriarchat? Sagt dir der Begriff etwas? Den meisten wohl eher nicht.

Wortwörtlich übersetzt heisst dieses Wort eine Frauenherrschaft.

Rund 200 Matriarchate gibt es heute weltweit. Hier verteilen die Frauen die Güter und sorgen für eine mütterliche Kultur der Fürsorge in der Gemeinschaft. Es gibt dort keine Hierarchie, keine Unterdrückung, keine systematische Gewalt. Wir sprechen von einem Matriarchat, wenn die Menschen in Clans zusammenleben und sich über die mütterliche Line definieren. Mutterclans sind essenziell: Grund, Boden, Haus und Hof sind in Frauenhand. Das heißt aber nicht, dass die Frau herrscht, sondern sie verteilt die Güter. Man muss sich das als mütterliche Gesellschaftsordnung vorstellen.

Es ist nicht das Gegenstück des Patriachat wie viele so denken. Nein es ist eine andere Form des Zusammenlebens. Diese Form ist geprägt durch Ausgleich, Beziehungen und Verbundenheit. Die menschlichen Beziehungen werden in den Vordergrund gestellt, der Druck, wie wir in unserer Gesellschaft tagtäglich erleben, scheint hier kaum einen Platz zu finden. Eine Fürsorglichkeit bestimmt das Zusammenleben.

Jeder achtet als erstes darauf, was der andere braucht. Und da das alle machen, kommt niemand zu kurz. Und alle haben die Gewissheit und Zuversicht, dass sie stets gut versorgt werden. Sie müssen nicht darum kämpfen und haben als Kind auch keinen emotionalen Mangel erlitten, denn sie sind nicht isoliert aufgewachsen und ihr Sein wurde nicht an Bedingungen geknüpft. Sie sind schon ganz früh gut gesättigt mit menschlicher Beziehung und fühlen sich sicher und gehalten. Diese Erfahrung zieht sich dann durch das ganze Leben und durch die ganze Gesellschaftsstruktur.

Die Frauen sind so frei, wie wir es uns hier nur wünschen können, weil sie bei ihrer Hausarbeit, Kinderbetreuung und anderen wichtigen Tätigkeiten von anderen Frauen oder Männern im Clan unterstützt werden. Und da diese Arbeit geteilt wird und dabei auch noch fröhlich geschehen kann und nicht in Einsamkeit, sind sie wahnsinnig frei. Sie können z. B. studieren und gleichzeitig Babys haben und all solche Dinge.

Für euch habe ich mal recherchiert, wo es noch heute matriarchal organisierte Völker gibt: Zu den bekanntesten zählen die Mosuo in China, die Khasi in Indien und die Juchitán in Mexiko.

Ich habe mir überlegt, dass genau eine solche Form auch bei uns einiges verändern könnte. Ich würde mich mal als moderne Frau bezeichnen und trotzdem musste ich mich im Laufe meines Muttersein und meiner Arbeit immer wieder dem Patriachat beugen. So gerne hätten wir und die Kinder und den Haushalt geteilt, aber, ja aber die Gesellschaft lässt es bis heute in der Schweiz nicht zu. So ist es in vielen Berufen auch heute noch nicht möglich, dass der Mann nur 60% arbeitet und sich die Aufgaben mit der Frau teilt. Besonders in den Führungspositionen sieht es ganz schlecht aus. Welcher CEO ob Frau oder Mann kann 50 oder 60% in seiner Führerrolle arbeiten. In der Regel wird dies nicht geduldet.

Was ich mir wünschen würde für meine Kinder, für unsere Gesellschaft und für uns alle, dass auch dieses Modell Einzug in die Gesellschaft findet. Die Menschen mit einer Ausgeglichenheit zwischen Anspannung und Entspannung entwickeln einen effizienteren Arbeitswillen. Ein Mitarbeiter/in, welche/r 60% arbeitet und Freude dabei empfindet ist effektiver als einer der lieber etwas mehr Zeit mit den Kindern verbringen möchte und missmutig bei der Arbeit sitzt. Was macht also mehr Sinn? Zwei die lustvoll und voller Freude an dem Arbeitsplatz kommen oder eine mit übler Laune?

Dass das geht leben und die nordischen Länder schon lange vor. Diese Modelle haben dort schon lange den Einzug in die Wirtschaft gefunden und die Menschen scheinen mit glücklicher und zufriedener zu sein als bei uns, trotz langen dunklen Wintern 😉.

Was dies zu gleich in unserem Hormonsystem alles bewirken kann!

Fällt der Dauerstress, egal auf welcher Ebene emotional, körperlich oder geistig weg, beruhigt sich unser vegetatives Nervensystem. Es muss nicht mehr dauernd und Alarmbereitschaft stehen.

Herzfrequenz und Atemfrequenz beruhigen sich. Der Blutdruck normalisiert sich, die Energie wird nicht ständig gleich wieder «verbraten» und der Körper ist in einer Dauererschöpfung.

Verdauung, Durchblutung der Haut und die Kraft der Blasenmuskulatur bekommen neuen Aufschwung und scheinen plötzlich wieder «normal» zu funktionieren.

Das Hormonsystem war dabei die Langzeitunterstützung im Sinn von geheimen Arbeitern im Hintergrund. Bei Dauerstress werden die Hormone ebenfalls wie die Nährstoffe verbraten. Sie wandern durch unsere Blutbahnen und können ihre Zielzellen mittels des passenden Schlüssels bei Bedarf aktivieren. Einige müssen als Beispiel Zellen im Darm aktivieren oder die Herzfunktion beeinflussen… Eine besondere Rolle spielt das Nebennierenhormon Cortisol. Es ist dafür zuständig, dass wir vom Sprinter zum Langstreckenläufer werden. Falls einmal ein «strenger» Tag ansteht hilft uns dieses Hormon den Tag gut zu überstehen.

Wird der Langstreckenlauf zur täglichen Übung, haben wir ein Problem, denn würde ein Marathonläufer täglich ohne Zufuhr von zusätzlicher Unterstützung einen Marathon laufen, so wäre er irgendwann am Boden mit seinen Kräften. Genau so ergeht es deinem Cortison, wenn du das Gefühl hast Dauerstress geht schon. Die Folge ist das Burn out, als deine Nebennieren, also dein Cortisol ist ausgebrannt und nicht mehr verfügbar.

Ich weiss aus eigener Erfahrung wie schwierig eine Ausgeglichenheit zwischen Anspannung und Entspannung ist, wenn man kleine Kinder zu Hause hat, ein Job und den Haushalt noch schmeisst. Da bleibt wenig freie Zeit für die eigenen Bedürfnisse. Ich finde dann Nicolas Schmidts (Erziehungsratgeberin aus DE) sehr erfrischend. Sie sagt ganz klar, wenn du an einem Tag nicht kochen magst und dadurch dann sehr angespannt bist, deine Kinder Hunger haben und jetzt etwas zu Essen brauchen, wieso nicht einmal eine Fertigpizza. Wegen einmal stirbt niemand. Ausserdem bist du entspannter und deine Kinder haben mehr von dir.

Eine weiter Erkenntnis, und da sind wir wieder beim Matriarchat, ist dass sie klar sagt, «wir brauchen alle ein Dorf!» Was sie damit meint, ist dass wir eine Gemeinschaft brauchen die uns unterstützt und uns entlastet. Wir später oder bei anderer Gelegenheit das Gleiche machen in unserem Dorf. Das kann so aussehen, dass ich einen Freundeskreis, nachbaren, Familie und Bekannt um mich haben, welche mich entlasten, wenn ich es brauchen. Ich mag nicht kochen und kann mich mit meinen Kindern bei jemandem anderem dazusetzen, oder ich habe kaum geschlafen, weil eines der Kinder krank ist und ich klinge schnell bei der Nachbarin, welche mir die Kinder für 2-3 Stunden abnimmt, damit ich nachschlafen kann. So sieht echte Gemeinschaft aus! So vieles wäre für uns alle stressfreier und entspannter. Das Leben wäre einfacher und mit weniger schlechter Laune für viele überforderte Menschen.

Ich hoffe für meine Kinder, für die Generation nach mir, dass wir das hinbekommen und das Leben wieder leichter wird!