Ein Lipödem ist eine chronische Fettverteilungsstörung, die fast ausschliesslich Frauen betrifft. Typisch sind eine ungleichmässige Fettansammlung an Beinen, Hüften und manchmal auch an den Armen sowie Schmerzen, Druckempfindlichkeit und eine erhöhte Neigung zu blauen Flecken.

Viele Betroffene hören zunächst Sätze wie:

“Sie müssen einfach weniger essen.”

Doch genau das macht die Erkrankung so belastend. Die betroffenen Fettzellen reagieren anders als normales Körperfett und lassen sich oft nicht durch Diäten reduzieren.

Lipödem ist keine Folge von mangelnder Disziplin, sondern eine
medizinische Erkrankung.

Warum sind Hormone so wichtig?

Ein Blick auf den Zeitpunkt der Erkrankung liefert einen entscheidenden Hinweis.

Häufig beginnt oder verschlechtert sich ein Lipödem während:

  • der Pubertät,
  • einer Schwangerschaft,
  • nach einer Geburt,
  • während hormoneller Verhütung,
  • oder in den Wechseljahren.

Alle diese Lebensphasen haben eines gemeinsam: starke hormonelle Veränderungen.

Daher gehen Forschende davon aus, dass Hormone eine wichtige Rolle bei der Entstehung und Entwicklung des Lipödems spielen.

Die Rolle von Östrogen

Östrogen ist das wichtigste weibliche Geschlechtshormon.

Es beeinflusst:

die Fettverteilung, die Durchblutung, das Bindegewebe und die Flüssigkeitsregulation im Körper.

Unter normalen Bedingungen sorgt Östrogen dafür, dass Fett bevorzugt an Hüften und Oberschenkeln gespeichert wird – ein biologischer Mechanismus, der ursprünglich der Fortpflanzung diente. Bei Frauen mit Lipödem scheint das Fettgewebe jedoch besonders empfindlich auf hormonelle Veränderungen zu reagieren.

Die Folge:

Fettzellen können sich stärker vermehren, Entzündungsprozesse können zunehmen und die Gefässe können durchlässiger werden.

Dadurch entstehen:

  • Schwellungen und Beschwerden
  • Progesteron – der oft unterschätzte Gegenspieler

Neben Östrogen spielt auch Progesteron eine wichtige Rolle. Hör dir dazu den passenden Podcast an!

Progesteron wirkt normalerweise ausgleichend und unterstützt:

die Gefässstabilität,
die Entwässerung,
und entzündungshemmende Prozesse.

Kommt es zu einem Ungleichgewicht zwischen Östrogen und Progesteron, können Wassereinlagerungen und Beschwerden zunehmen. Viele Betroffene berichten beispielsweise von stärkeren Schmerzen oder Schwellungen kurz vor der Menstruation, genau dann, wenn die Hormonspiegel schwanken.

Lipödem und die Pubertät

Die Pubertät ist die häufigste Phase, in der ein Lipödem erstmals sichtbar wird.

Der Körper verändert sich:

  • Die Östrogenproduktion steigt stark an.
  • Die Fettverteilung verändert sich.
  • Das Bindegewebe entwickelt sich weiter.

Bei genetisch veranlagten Mädchen können diese Veränderungen dazu führen, dass sich erste Symptome zeigen. Oft werden die Veränderungen jedoch als normale Gewichtszunahme fehlinterpretiert. Dadurch vergehen nicht selten Jahre bis zur richtigen Diagnose.

Die Pubertät ist die häufigste Phase, in der ein Lipödem erstmals sichtbar wird.

Schwangerschaft und Lipödem

Auch die Schwangerschaft ist für viele Frauen ein Wendepunkt.

Während dieser Zeit steigt die Produktion von:

Östrogen, Progesteron, Relaxin und weiteren Hormonen deutlich an. Diese Hormone lockern das Bindegewebe und erhöhen die Wassereinlagerung im Körper.

Viele Frauen berichten daher über:

Eine Zunahme der Beschwerden, stärkere Schwellungen oder ein Fortschreiten des Lipödems.

Wichtig zu wissen: Nicht jede Schwangerschaft verschlechtert die Erkrankung. Die Reaktionen sind individuell sehr unterschiedlich.

Die Wechseljahre

Interessanterweise können auch die Wechseljahre eine Veränderung der Symptome mit sich bringen. Während die Östrogenspiegel sinken, verändert sich die gesamte Hormonbalance.

Manche Frauen berichten über: Eine Stabilisierung, andere über eine Verschlechterung und wieder andere über eine Verlagerung des Fettgewebes. Die Forschung untersucht aktuell intensiv, welche Mechanismen dabei eine Rolle spielen.

Können Hormone ein Lipödem heilen? Die kurze Antwort lautet: Nein. Bis heute gibt es keine hormonelle Therapie, die ein Lipödem heilen kann. Allerdings kann eine individuelle Betrachtung des Hormonhaushalts sinnvoll sein, insbesondere bei:

  • starken Zyklusbeschwerden,
  • Schilddrüsenerkrankungen, (Hol dir dein Freebie!)
  • Wechseljahresbeschwerden
  • oder anderen hormonellen Auffälligkeiten.

Wichtig ist dabei die Zusammenarbeit mit erfahrenen Fachärztinnen und Fachärzten.

Was hilft Betroffenen?

Auch wenn Hormone eine wichtige Rolle spielen, besteht die Behandlung des Lipödems aus mehreren Bausteinen:

  1. Bewegung
    Sport verbessert den Lymphfluss und unterstützt die Gesundheit der Gefässe.
  2. Kompression
    Kompressionskleidung kann Schmerzen und Schwellungen reduzieren.
  3. Ernährung
    Eine ausgewogene, entzündungsarme Ernährung kann das Wohlbefinden verbessern.
  4. Lymphatische Massnahmen
    Je nach Situation können manuelle Lymphdrainagen hilfreich sein.
  5. Psychische Unterstützung
    Die Erkrankung beeinflusst oft das Selbstbild und die Lebensqualität. Unterstützung anzunehmen ist kein Zeichen von Schwäche.

Fazit

Das Lipödem ist weit mehr als eine Frage des Gewichts. Die Erkrankung steht in engem Zusammenhang mit hormonellen Veränderungen, weshalb sie häufig in der Pubertät, während Schwangerschaften oder in den Wechseljahren sichtbar wird.

Auch wenn noch nicht alle Mechanismen vollständig verstanden sind, zeigt die Forschung immer deutlicher: Hormone spielen eine zentrale Rolle.

Für Betroffene bedeutet das vor allem eines: Die Beschwerden sind real, medizinisch erklärbar und verdienen ernst genommen zu werden.

Brauchst du also Hilfe, melde dich gerne bei mir. Gemeinsam finden wir für dich die perfekte Lösung, die zu dir und deinem Beschwerdebild passt! 💚