Warum Wassereinlagerungen oft mehr mit deinen Hormonen zu tun haben als mit Salz oder Gewicht
Manchmal reicht schon ein Blick auf die Hände oder Füsse und wir merken: Irgendetwas stimmt heute nicht. Der Ring sitzt plötzlich enger, die Beine fühlen sich schwer an und die Waage zeigt ein oder zwei Kilo mehr an als gestern. Schnell schieben wir das auf zu viel Salz, zu wenig Bewegung oder die letzte Glace. Doch erstaunlich oft steckt etwas ganz anderes dahinter: unsere Hormone.
In meiner Praxis erzählen mir viele Frauen genau das. Sie fühlen sich aufgeschwemmt, irgendwie schwer und haben das Gefühl, ihr Körper mache plötzlich, was er wolle. Die gute Nachricht ist: Dein Körper arbeitet nicht gegen dich. Ganz im Gegenteil. Er versucht dir etwas mitzuteilen. Und genau deshalb lohnt es sich, etwas genauer hinzuschauen.
„Nicht jede Gewichtszunahme ist Fett.
Oft ist es einfach Wasser und ein Zeichen dafür, dass dein
Hormonhaushalt gerade aus dem Gleichgewicht geraten ist.“
Was sind Wassereinlagerungen überhaupt?
Wassereinlagerungen, medizinisch Ödeme genannt, entstehen dann, wenn sich Flüssigkeit im Gewebe sammelt. Normalerweise reguliert unser Körper sehr genau, wie viel Wasser sich innerhalb und ausserhalb unserer Zellen befinden soll. Dabei arbeiten die Nieren, das Lymphsystem, die Blutgefässe und verschiedene Hormone Hand in Hand. Man könnte fast sagen: ein perfekt eingespieltes Team.
Kommt dieses Zusammenspiel aus dem Takt, bleibt Flüssigkeit dort, wo sie eigentlich nicht bleiben sollte. Plötzlich fühlen sich die Hände geschwollen an, die Füsse passen kaum mehr in die Lieblingsschuhe, die Beine werden schwer oder der Bauch wirkt aufgebläht. Auch Spannungsgefühle in der Haut oder schnelle Gewichtsschwankungen gehören dazu.
Das bedeutet aber noch lange nicht, dass etwas Schlimmes dahintersteckt. Oft handelt es sich um eine ganz normale Reaktion unseres Körpers auf hormonelle Veränderungen.
Östrogen – wenn der Körper Wasser festhält
Eines der wichtigsten Hormone in diesem Zusammenhang ist Östrogen. Es beeinflusst unseren Flüssigkeitshaushalt auf verschiedenen Ebenen und kann dazu führen, dass der Körper mehr Wasser im Gewebe speichert.
Viele Frauen kennen das vor der Menstruation nur zu gut. Die Brust spannt, der Bauch fühlt sich voller an und plötzlich scheint jede Hose ein kleines bisschen enger zu sitzen. Da kommt schnell der Gedanke: «Ich habe zugenommen.»
Dabei handelt es sich häufig gar nicht um Fett, sondern schlicht um Wasser. Auch hormonelle Verhütungsmittel oder eine Hormonersatztherapie können diesen Effekt bei manchen Frauen verstärken.
Progesteron – der ausgleichende Gegenspieler
Wo Östrogen wirkt, spielt auch Progesteron eine wichtige Rolle. Dieses Hormon sorgt in vielerlei Hinsicht für Balance und unterstützt den Körper dabei, überschüssige Flüssigkeit wieder auszuscheiden.
Schwierig wird es oft dann, wenn Östrogen und Progesteron nicht mehr im Gleichgewicht sind. Viele sprechen dabei von einer Östrogendominanz. Das bedeutet übrigens nicht zwingend, dass zu viel Östrogen vorhanden ist. Häufig fehlt einfach genügend Progesteron als Gegenspieler.
Die Folge können Wassereinlagerungen, Brustspannen, PMS, Müdigkeit oder Stimmungsschwankungen sein. Unser Körper reagiert eben sehr fein auf kleinste hormonelle Veränderungen.
Stress macht sich oft sichtbar
Ein Hormon, das wir in diesem Zusammenhang keinesfalls vergessen dürfen, ist Cortisol. Unser bekanntes Stresshormon wird in den Nebennieren gebildet und ist grundsätzlich etwas sehr Sinnvolles. Es hilft uns, Herausforderungen zu meistern und leistungsfähig zu bleiben.
Problematisch wird es erst, wenn Stress zum Dauerzustand wird.
Dann bleibt unser Körper ständig in Alarmbereitschaft. Viele Menschen berichten genau in solchen Phasen, dass sie sich aufgedunsen fühlen, die Beine schwer werden oder die Waage plötzlich verrückt spielt. Gleichzeitig nimmt auch die Entzündungsbereitschaft im Körper zu und der Flüssigkeitshaushalt gerät aus dem Gleichgewicht.
Manchmal sagt uns der Körper eben sehr deutlich: «Jetzt wäre es langsam Zeit, einen Gang zurückzuschalten.»
Auch Insulin mischt kräftig mit
Wenn wir über Hormone sprechen, gehört auch Insulin unbedingt dazu. Es sorgt dafür, dass Zucker aus dem Blut in unsere Zellen gelangt. Gleichzeitig beeinflusst Insulin aber auch die Nieren.
Ist der Insulinspiegel dauerhaft erhöht, speichern die Nieren mehr Natrium. Und wo Natrium bleibt, folgt meist auch Wasser.
Menschen mit einer Insulinresistenz oder starken Blutzuckerschwankungen leiden deshalb häufig unter Wassereinlagerungen. Ein stabiler Blutzucker bringt also nicht nur mehr Energie in den Alltag, sondern unterstützt oft auch einen ausgeglichenen Flüssigkeitshaushalt.
Die Schilddrüse spielt ebenfalls eine wichtige Rolle
Auch unsere Schilddrüse hat einen grossen Einfluss auf den Stoffwechsel. Arbeitet sie zu langsam, laufen viele Prozesse im Körper ebenfalls langsamer ab.
Typisch sind Müdigkeit, Gewichtszunahme, Kälteempfindlichkeit, trockene Haut und eben auch Wassereinlagerungen. Viele Betroffene erzählen mir, dass sie sich ständig aufgedunsen fühlen oder ihr Gesicht geschwollen wirkt.
Bleiben solche Beschwerden über längere Zeit bestehen oder kommen weitere Symptome dazu, lohnt sich eine genaue Abklärung der Schilddrüse.
„Dein Körper speichert Wasser nicht, um dich zu ärgern. Er versucht dich zu schützen und zeigt dir, dass irgendwo das Gleichgewicht verloren gegangen ist.“
Wechseljahre – wenn Hormone Achterbahn fahren
Die Wechseljahre bringen den Hormonhaushalt ordentlich durcheinander. Die Spiegel von Östrogen und Progesteron schwanken teilweise stark, bevor sie langfristig sinken.
Kein Wunder also, dass viele Frauen plötzlich Beschwerden entwickeln, die sie vorher gar nicht kannten. Geschwollene Hände, schwere Beine, ein aufgeblähter Bauch oder Gewichtsschwankungen gehören in dieser Lebensphase häufig dazu.
Das kann verunsichern. Gleichzeitig ist es wichtig zu wissen, dass diese Veränderungen in vielen Fällen hormonell bedingt sind. Sobald sich der Körper neu eingependelt hat oder gezielt unterstützt wird, verbessern sich die Beschwerden oft deutlich.
Was kannst du selbst tun?
Zum Glück gibt es einiges, womit du deinen Körper im Alltag unterstützen kannst.
Das Wichtigste ist oft überraschend einfach:
- Genügend trinken. Wer zu wenig Wasser trinkt, signalisiert dem Körper unbewusst, Flüssigkeit zurückzuhalten. Zwei bis drei Liter Wasser pro Tag helfen dem Organismus, den Flüssigkeitshaushalt besser zu regulieren.
- Auch Bewegung wirkt wie eine kleine Entwässerungshilfe. Ein Spaziergang, Velofahren, Schwimmen oder leichtes Krafttraining bringen das Lymphsystem in Schwung und unterstützen den Rücktransport überschüssiger Flüssigkeit.
- Ebenso wichtig ist der Umgang mit Stress. Ausreichend Schlaf, bewusste Pausen, Atemübungen, Meditation oder einfach einmal ohne Handy auf dem Balkon sitzen, können deinem Nervensystem unglaublich guttun. Manchmal braucht unser Körper gar keine komplizierte Lösung. Er braucht einfach wieder etwas mehr Ruhe.
- Auch deine Ernährung spielt eine Rolle. Viel Gemüse, kaliumreiche Lebensmittel wie Kartoffeln oder Avocados, genügend Eiweiss und möglichst wenig stark verarbeitete Lebensmittel unterstützen deinen Körper dabei, wieder ins Gleichgewicht zu finden.
- Und wenn Wassereinlagerungen regelmässig auftreten, sehr stark ausgeprägt sind oder zusammen mit weiteren Beschwerden auftreten, lohnt sich ein genauer Blick auf deine Hormone. Ein Hormoncheck kann wertvolle Hinweise liefern und helfen, die Ursache gezielt zu behandeln, statt nur die Symptome zu bekämpfen.
Fazit
Wassereinlagerungen sind weit mehr als nur ein kosmetisches Thema. Sie können ein wertvoller Hinweis darauf sein, dass dein Körper gerade intensiv arbeitet und versucht, ein hormonelles Ungleichgewicht auszugleichen.
Östrogen, Progesteron, Cortisol, Insulin und auch die Schilddrüsenhormone beeinflussen unseren Flüssigkeitshaushalt jeden Tag. Deshalb lohnt es sich, nicht nur auf die Zahl auf der Waage zu schauen, sondern den ganzen Menschen zu betrachten.
Vielleicht möchte dir dein Körper gar nicht sagen, dass du weniger essen oder noch härter trainieren sollst. Vielleicht möchte er einfach, dass du wieder beginnst, ihm zuzuhören.
Denn genau dort beginnt oft der erste Schritt zurück in deine hormonelle Balance.
💚 Noch mehr Wissen für dich
Möchtest du noch tiefer in dieses Thema eintauchen? Dann hör unbedingt in meinen Podcast hinein. Dort erkläre ich ausführlich, welche Hormone Wassereinlagerungen begünstigen, worauf du achten kannst und welche natürlichen Möglichkeiten es gibt, deinen Körper wieder ins Gleichgewicht zu bringen.
Und wenn du regelmässig Tipps rund um Hormone, Frauengesundheit, ADHS und Naturheilkunde erhalten möchtest, dann melde dich gerne für meinen Newsletter an. Ich freue mich, dich auch dort begleiten zu dürfen.